Auswahlkriterien und Vorbereitung für die österreichischen Nationalteams in Bezug auf die Bewerbe 2007 (Offene EM in Antalya) und 2008 (Team-EM in Peau, Olympiade in Peking)

 

Vorerst ein wenig Statistik und damit auch eine Analyse der sportlichen Entwicklung des Open Teams in den letzten Jahren. Österreich hat bei Bewerben mit einem kompletten Round-Robin, wie es die Team-Europameisterschaften sind, in den letzten 23 Jahren folgende Plätze belegt:

 

1983

Wiesbaden

5.

1985

Salsomaggiore

1.

1987

Brighton

14.

1989

Turku

5.

1991

Killarney

16.

1993

Menton

19.

1995

Villamoura

9.

1997

Montecatini

21.

1999

Malta

13.

2001

Teneriffa

13.

2002

Salsomaggiore

19.

2004

Malmö

18.

2006

kein Team entsendet

 

 

Der letzte echte Spitzenplatz liegt also bereits viele Jahre zurück. In 12 Bewerben konnten nur vier einstellige Platzierungen erreicht werden.

 

Bei Bewerben mit einer Gruppenphase und anschließendem KO hatte Österreich mehr Chancen. Hier konnten in 9 Bewerben 5 ausgezeichnete Resultate erzielt werden.

 

1976

Monte Carlo

Olympiade

25.

1980

Valkenburg

Olympiade

21.

1984

Seattle

Olympiade

4.

1985

Sao Paolo

Bermuda Bowl

2.

1988

Venedig

Olympiade

2.

1992

Salsomaggiore

Olympiade

9.

1996

Rhodos

Olympiade

17.

2000

Maastricht

Olympiade

5.

2004

Istanbul

Olympiade

29.

                                                                       

 

Nach dieser Statistik eine kurze Beleuchtung des österreichischen Spitzenbridges:

 

Die Entwicklung des Profitums im Bridge lässt meiner Meinung nach den Amateurnationen wenig Chancen. Es gibt zwar auch in Österreich Profi-Spieler, die ausschließlich vom Bridge leben - aber der Unterschied zu anderen Nationen liegt vor allem darin, dass dort die guten Profis viele Turniere miteinander spielen. Außerdem belastet das häufige Spiel mit schwächeren Spielern die Qualität des eigenen Bridgespiels.

 

Selbstverständlich ist die Lebenssituation der einzelnen Spieler zu respektieren – aber ein Sportkapitän des ÖBV kann hinsichtlich der Entwicklung der Spielqualität nicht erfreut sein oder muss sich mit diesen Tatsachen kommentarlos abfinden. Der Verband ist nicht verpflichtet dieser Situation unkritisch gegenüber zu stehen, da er mit seinem finanziellen Einsatz der von allen Mitgliedern geleisteten Beiträge durchaus Anspruch auf Gegenleistung hat. Wichtig für den ÖBV wäre sicher die optimale mediale Verwertung etwaiger Erfolge und die Person des Spitzenspielers an und für sich als Leitbild für sämtliche Mitgliederschichten, von der Jugend bis zum Senior.

 

Wenn auch im Jahre 2006 kein Open Team zur Europameisterschaft entsendet worden ist, so ist daraus keine generelle Vorgangsweise für die Zukunft abzuleiten und der ÖBV ist durchaus bestrebt, in Zukunft internationale Bewerbe zu beschicken und im Rahmen seiner budgetären Mittel für die Kosten der Entsendung aufzukommen. Sollten sich jedoch keine Spieler aufdrängen – d.h. keine Partnerschaften bestehen oder bestehende Partnerschaften nicht an ihrer bridgelichen Weiterentwicklung arbeiten, so wird mangels gezeigtem  Interesse der Spieler kein Team gebildet werden. Es liegt also in der Hand der Spieler, ob Österreich auf dem Parkett der internationalen Bridgebewerbe vertreten sein wird.

 

In der Vorbereitungsphase für die Bewerbe 2008 ist folgendes geplant:

 

In der ersten Stufe der Vorbereitungszeit vom November 2006 bis Juli 2007 melden alle Paare, die 2008 international für Österreich spielen wollen, ihre Teilnahme und ihre erzielten Ergebnisse an internationalen oder nationalen Paar – oder Teamturnieren in diesem Zeitraum unter Angabe eines eventuellen Komplementärpaares schriftlich oder per Mail an den Sportkapitän (1160 Wien, Liebhartstalstrasse 54/Haus 4 oder joerg-eichholzer@aon.at ). Die Meldung soll gleichzeitig mit der Abgabe einer ausführlichen Beschreibung des gespielten Systems erfolgen. Alle Meldungen werden vom Verbandskapitän erfasst.

 

Die Teilnahme an Screentrainings, die ab Dezember 2007 wieder geplant sind, und deren Ergebnisse, müssen nicht gemeldet werden, da der Sportkapitän über diese Turniere informiert ist.

 

Ende Juli 2007 wird sich dann zeigen, welche Paare miteinander spielen und aus den erzielten und abgegeben Resultaten werden für die zweite Stufe der Vorbereitungszeit vom August 2007 bis April 2008 förderungswürdige Paare („A-KADER 2008“) vom Sportkapitän ausgewählt. Die Förderung durch den ÖBV wird so aussehen, dass diesen Paaren zweimalig ein finanzieller Zuschuss vom Verband mit maximal € 500.-- pro Paar für bedeutende internationale Teamturniere gewährt wird , wenn der eigene finanzielle Aufwand diese Betragsgrenze überschreitet. Eine weitere eventuelle Förderungsmöglichkeit für nationale Turniere mit internationaler Beteiligung kann erst nach der Generalversammlung 2007 mit der einhergehenden Budgetdiskussion (eventuelles 2 Jahresbudget?) und Bewilligung entschieden werden. Besonderes Augenmerk wird von Seite des Sportkapitäns aber jedenfalls auf die Teilnahme der Paare bei ausländischen Teamturnieren gelegt.

 

Weiters werden für diese Paare zumindest ein Länderkampf in Wien oder in Ungarn/Kroatien und Trainings hinter Screens organisiert. Die Förderung beinhaltet die Berichtspflicht über die gespielten Turniere (besonderer Wert wird auf spezielle Partien gelegt, die schwierig waren und deren Problematik durch Diskussion in einer größeren Runde gelöst werden könnte).

 

Im April 2008 wird je nach Nennungsfrist für die Europameisterschaften das Team aus dem „A-KADER“ für die Europameisterschaft aufgestellt. Das Team für die Olympiade wird nach der Europameisterschaft 2008 ebenfalls aus dem Kader der geförderten Paare gebildet werden. (Diese getrennte Aufstellung beinhaltet eine Reaktionsmöglichkeit auf ein schlechtes Ergebnis bei der EM und auf eventuelle terminmäßige Schwierigkeiten der SpielerInnen – z.B. kein Urlaub für beide Bewerbe).

 

Eine Inanspruchnahme der Förderung durch den ÖBV verpflichtet aber im Falle der Berufung in das „Open-Team Österreich“ zu einer Teilnahme an zumindest einem der beiden internationalen Hauptbewerbe 2008 und keine Gründe, außer gesundheitlichen oder schwerwiegenden familiären, können von dieser Spielpflicht befreien.

 

Der „B-KADER 2008“ bildet sich automatisch aus allen SpielerInnen, die ihre Ergebnisse an den Sportkapitän im Zeitraum November 2006 – Juli 2007 gemeldet haben und die aufgrund ihrer erzielten Ergebnisse keine Förderung in der 2. Stufe der Vorbereitungszeit erhalten können. Diese Paare werden aber jedenfalls zu Trainings und zu Länderkämpfen eingeladen. Auch eine Entsendung zu internationalen Einladungen kann durchaus erfolgen, sollten die Mitglieder des „A-KADERS“ verhindert sein.

 

Für alle „KADERMITGLIEDER“ (A+B) gilt selbstverständlich die Pflicht der Einhaltung eines tadellosen Benehmens am Bridgetisch. Nichtbeachtung dieser (wohl selbstverständlichen) Pflicht und unsportliches Verhalten führen bei einmaligem Verstoß zu einer Verwarnung und im Wiederholungsfall zum Ausschluss aus allen Kadern für die nächsten 2 Jahre.


 

 

Regelung für die offenen Europameisterschaften 2007 in Antalya – gültig für das Open-Team:

 

Aus allen Paaren, die bis von November 2006 bis Ende Mai 2007 zumindest sechs Tage Teamturniere in Österreich (z.B. Kitzbühel, Unterpremstätten, Teamstaatsmeisterschaften, Bridgekongress, Eisenstadt, VBC-Festwochen) und/oder im Ausland (z. B. Sizilien, Mailand, Montegrotto u.ä.) miteinander gespielt haben, wird die Auswahlmannschaft Österreichs für die Offenen Europameisterschaften 2007 in Antalya durch den Sportkapitän gebildet.

 

Für diesen Bewerb (Gesamttermin vom 15. bis 30. Juni 2007) wird einem Team (4 Mitglieder) das Nenngeld für das Teamturnier (€ 950.--), ein Hotelzuschuss in Höhe von € 1.200.-- und 4 Flugtickets (Charter) vom ÖBV bezahlt. In diesen Teams darf sich aber kein Sponsor befinden. Fünfer- bzw. Sechser-Teams müssen diese Zuschüsse untereinander aufteilen.

 

Sollten sich für das Open-Team zwei Teams durch ihre erzielten Ergebnisse für den Bewerb in Antalya qualifizieren, so wird Anfang Juni eine Qualifikation der beiden Teams über mindestens 100 Boards gegeneinander gespielt. Der Gewinner erhält den oben angeführten Kostenersatz, während das unterlegene Team das Nenngeld in Höhe von € 950.-- bezahlt bekommt.

 

Regelung für die offenen Europameisterschaften 2007 in Antalya – gültig für das Damenteam:

 

Für die Damen gilt eine adäquate Regelung – die Spielpflicht gilt in gleichem Ausmaß. Sollte sich ein zweites Team melden bzw. weitere Damenpaare durch ihre Ergebnisse qualifiziert erscheinen, so wird ebenfalls eine Qualifikation zwischen den beiden Teams über mindestens 100 Boards gespielt. Das Siegerteam erhält die Unterstützung mit Nenngeld, Hotelzuschuss und Flugticket – das unterlegene Team lediglich das Nenngeld.

 

Regelung für die offenen Europameisterschaften 2007 in Antalya – gültig für das Seniorenteam:

 

In der Seniorenklasse wird ein Team durch den ÖBV entsendet – die Aufstellung erfolgt durch den Sportkapitän oder bei Befangenheit des Kapitäns durch den Vorstand. Die Spielpflicht gilt auch hier. Vier geeigneten SpielerInnen wird das Nenngeld für das Teamturnier, der Hotelzuschuss von je € 300.-- und das Flugticket vom Verband bezahlt. Sollten mehrere Teams qualifiziert erscheinen, so wird Anfang Juni eine Qualifikation gespielt – der Sieger erhält die Unterstützung – der oder die Unterlegenen müssen auf eigene Kosten fahren.

 

Interessierte an den Europameisterschaften in Antalya (alle Kader) mögen sich baldigst beim Sportkapitän melden und ihre möglichen An- und Rückreisetermine bekannt geben (Charterflugreisen zum Veranstaltungsort werden von Österreich aus nicht täglich durchgeführt und eine Frühbuchung sichert eher den gewünschten Reisetermin). Die Hotelbestellung sollte in Abstimmung mit dem Flugplan durch die Spieler selbst beim Veranstalter oder für alle Auswahlteams als Sammelbestellung über den Verband vorgenommen werden. Als Veranstaltungsort wird auf der offiziellen Internetseite das Kremlin Palace Hotel, World of Wonders Resort angegeben.

 

Die österreichischen Teilnehmer an den Offenen Europameisterschaften müssen für jeden Bewerb über den Verband gemeldet werden.

 

Der Sportkapitän hat eine Liste von in Frage kommenden SpielerInnen angelegt und diese verständigt. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – Interessierte mögen sich bitte melden, und der Sportkapitän wird über die Möglichkeit der Teilnahme an Trainings usw. entscheiden.

 

 

Wien, im November 2006

 

Der Sportkapitän des ÖBV

Jörg Eichholzer

 

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